Gedenkstätte Deutschneudorf

Todesmarsch der Komotauer Männer

Am 9. Juni 1945 mussten sich alle 8.000 Komotauer Männer zwischen 13 und 65 Jahren auf dem Jahnsportplatz sammeln.
Sie wurden aufgefordert, den Oberkörper zu entblößen, um feststellen zu können, ob unter ihrer Achsel die Blutgruppe tätowiert und sie damit alsAngehörige der SS ausgewiesen waren. Die so Gezeichneten mußten vortreten.Alle anderen hatten sich in einem großen Karree aufzustellen und mußten zusehen, wie die nackten SS Männer in bestialischer Weise von den Tschechen zu-
sammengeschlagen wurden. Wenn sie ohnmächtig in ihrem Blut lagen, wurde kaltes Wasser über sie gegossen oder Salz in die Wunden gestreut. Gegen Mittag fand dieses grausige Martyrium sein Ende. Bereits dort starben zwischen 12 und 20 Menschen.

Danach mußten sich die Männer, es sollen weit mehr als viertausend gewesen sein, im Dauerlauf durch verschiedene Ortschaften Richtung Erzgebirgskamm laufen. Auf dem Weg dahin gingen die Represalien und Quälerein weiter.
Wer nicht folgen konnte, oder entkräftet in den Strassengraben viel, wurde erschlagen oder erschossen. Die Zahlen der auf diese Weise Ermordeten schwankt zwischen einhundert und dreihundert Männern.

Am Grenzübergang in Gebirgsneudorf setzte sich ein Militärauto mit tschechischen Offizieren an die Spitze des Zuges und überschritt mit den Gefangenen die Grenze. Am Dorfplatz in Deutschneudorf wurden sie vom Deutschneudorfer Bürgermeister Jacobi gestoppt und zur Rückkehr in die CSR aufgefordert. Als die Offiziere dieser Weisung nicht nachkamen, rüstete Bürgermeister Jacobi vier soeben aus dem Krieg heimgekehrte Deutschneudorfer Soldaten mit Gewehren und einem Maschinengewehr samt Munition aus. Die Soldaten
postierten sich auf einem vor der Sattlerei Bilz stehenden Leiterwagen und erklärten sofort zu schießen, wenn die Tschechen mit ihrem Leidenszug weiter vorrücken. Der Bürgermeister fuhr sofort zur russischen Kommandatur nach Purschcnstcin. Da der dortige Abschnittskommandant in Freiberg war, fuhr Jacobi unverzüglich dorthin. Die Hin- und Rückfahrt beanspruchte mehrere Stunden. Die
um den Deutschneudorfer Dorfplatz lebenden Familien wollten den völlig entkräfteten Männern Essen geben. Als die tschechischen Bewacher jeden Kontakt mit ihren Gefangenen verweigerten, drohten die vier Deutschneudorfer Wehrmänner die Offiziere zu erschießen, wenn sie die Verpflegung nicht zuließen. Die auf der sächsischen Seite stehenden Männer durften dann Essen
erhalten. Nach einigen Stunden kam Jacobi mit vier russischen Offizieren nach Deutschneudorf zuruck. Die Russen verweigerten die Überstellung nach Deutschland und zwangen die Tschechen nach längeren Verhandlungen am 12. Juni zur Rückkehr. Da wurden Sie nach Maltheuern ins Konzentrationslager 28 getrieben und zur Zwangsarbeit herangezogen.

Die Überlebenden mussten das zerbombte Hydrierwerk in Záluzí wieder aufbauen. Strecke: Komotau - Görkau - Schloss Rothenhaus - Kunnersdorf - Bartelsdorf - Eisenberg - Gebirgsneudorf - Deutschneudorf (Sachsen) - Nickelsdorf - Obergeorgenthal - Niedergeorgenthal - Maltheuern (= Záluzí).


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