Oberneuschönberg

Die Gründung Oberneuschönbergs

Der Westfälische Frieden hat im Oktober 1648 den 30jähriegn Krieg beendet. Außer den politischen Fragen galt es auch die durch Luthers Reformation in Deutschland entstandenen religiösen Streitigkeiten zu schlichten. Erstere fanden auf Kosten des Deutschen Volkes zu Gunsten der Nachbarländer, besonders Frankreich und Schwedens, eine Entscheidung. Hinsichtlich der Glaubensfragen kam es zu einem Vergleich: in Zukunft sollte die Religionszugehörigkeit der Landesfürsten bestimmend für die Untertanen sein. In Sachsen hatte 1539 Herzog Heinrich der Fromme des Protestantismus eingeführt. Hier verblieb es demnach beim Alten. Im benachbarten Böhmen regierte der katholische Kaiser als König. Die dort ansässigen Protestanten mussten entweder zurück in den Schoß der katholischen Kirche oder das Land verlassen. Nun waren jedoch viele bereit, um des Glaubens willen die Heimat zu opfern und in fremdem Land ein neues Leben zu beginnen. Der Krieg hatte ein Menschenalter hindurch das Land entvölkert und jetzt würde durch Auswanderung sich die Einwohnerzahl wiederum verringern. Diese Gefahr musste mit Gewalt gebannt werden. Denn oft waren es die Brauchbarsten und Tüchtigsten, die zum Wanderstab greifen wollten. Darum entwichen sie bei Nacht und Nebel mit geringer Fahrhabe über die grüne Grenze. Wem es zuvor gelungen war, Haus und Hof zu verkaufen, der konnte noch von großem Glück reden. Weil diese Menschen um ihres Glaubens willen die Heimat aufgaben, nennt man sie Exulanten. Schon seit 1620 verbreitet sich der Auswanderstrom über das gesamte Gebiet Sachsens. Nach den Quellen des Hauptstaatsarchivs in Dresden sind Exulanten in 382Orten Sachsens bis an dessen Nordgrenze nachgewiesen. Etwa 75000 wertvolle Menschen wurden im Laufe der Jahre bei uns aufgenommen.
Der Pfaffrodaer Waldbesitz erstreckte sich damals bis hinab an das Ufer der Flöha. Eine Fahrstrasse führte von Olbernhau an der Saigerhütte vorüber über die Flöha und dann den Hainberg (Hanberg) aufsteigend in halber Höhe über dem Talgrund nach Heidersdorf. Der jetzige Kirchweg die sog. "Alte Strasse" und der Zechenweg kennzeichnen im wesentlichen ihren Verlauf. Schwere Frachtwagen, mit 4 und mehr Pferden bespannt, erklommen mühselig die steile Auffahrt und hielten dem Verkehr mit Purschenstein, wo die alte Salzstrasse von Halle nach Böhmen führte und dem Seiffener Bergbau aufrecht.
Besitzer der Herrschaft Pfaffroda war seit 1650 Caspar von Schönberg, Kurfürstl. Sächs. Berg- und Amtshauptmann zu Freiberg und Altenberg. Zwischen Flöha und der bereits erwähnten Fahrtstrasse hatte man wenige Jahre zuvor den Wald "abgetrieben", einen Kahlschlag gemacht. Die günstige Lage dieses Stückes Landes nach Süden und die Flöhatalaue verlockte zur Gründung einer Siedlung. Die Kunde davon drang auch hinüber über die böhmische Grenze, und bald fanden sich aus der nahen Herrschaft Dux 8 Exulanten, die durch eigenen Augenschein oder durch Benachrichtigung seitens in Sachsen ansässiger Verwandten aufmerksam geworden, diese einmalige Gelegenheit nutzen wollten. Die Verhandlungen mit dem Grundherren kamen in Gang und am Weihnachtstag 1651 wurde der Erbbrief auf Schloss Pfaffroda ausgestellt und von Caspar von Schönberg unterschrieben. Diese Gründungsurkunde wurde im Schlossarchiv verwahrt.

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