Heuersdorf

Diese Rubrik widmet sich einem kleinen Dorf im Süden von Leipzig, das der Braunkohle geopfert werden musste. Ich finde es echt sehr traurig, das ein so schönes Dorf, der Kohle weichen muss. Mich ärgert es, das ich nicht eher angefangen habe, das zu dokumentieren, dadurch sind mir schon ein paar alte Ansichten entwischt.
Ich will hier nicht Populismus betreiben, ich möchte hier den Untergang, so traurig es ist, dieses Dorfes dokumentieren. In den 50er Jahren passierte das selbe auch im Erzgebirge, wo einige Orte den Uranbergbau weichen mussten, z.B. Johanngeorgenstadt, Schlema, Schneeberg etc.


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1897 ein Turnverein. 1900 hatte Heuersdorf 226 Einwohner und Großhermsdorf 222. In der Umgebung Heuersdorfs wurden um 1900 zahlreiche Kohlegruben eröffnet. Braunkohlewerke mit Brikettierungsanlagen entstanden in den Nachbarorten Breunsdorf, Deutzen und Ramsdorf. 1933 hatten Heuersdorf und Großhermsdorf zusammen 498 Einwohner. Am 1. April 1935 wurde Großhermsdorf nach Heuersdorf eingemeindet und der Name der Gemeinde auf Heuersdorf festgelegt.

Bei der Durchführung der Bodenreform 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone wurden das einstige Großhermsdorfer Rittergut, ein Staatsgut und ein Gut der Deutschen Erdöl-Aktiengesellschaft enteignet. Das Herrenhaus des Rittergutes wurde zur Schule umgebaut, die bis 1966 in Heuersdorf bestand.

1949 wurde südlich von Heuersdorf der Tagebau Schleenhain aufgeschlossen. Obwohl im Ort einige Bergarbeiter lebten, war Heuersdorf wie schon vor dem Ersten Weltkrieg auch nach dem Zweiten Weltkrieg weiterhin bäuerlich dominiert. 1951 waren ein Drittel aller Einwohner Neubürger. 1958 und 1960 wurde die Heuersdorfer Landwirtschaft in drei verschiedene LPGen umgewandelt, die sich 1969 zur LPG Typ III "Frohe Zukunft" zusammenschlossen. 1976 schloss sich die Heuersdorfer LPG der LPG "Deutsch-Sowjetische Freundschaft" Großstolpen an.

Im Jahr 1990 lebten in Heuersdorf 347 Menschen. 1992 wurde Horst Bruchmann Bürgermeister, der sich für deren Erhalt der Gemeinde einsetzte. Das 1993 verkündete Versprechen der Sächsischen Landesregierung, Heuersdorf würde erhalten bleiben und der Tagebau am Ort vorbeigeführt werden, wurde bereits ein Jahr später im Rahmen der Planungen zur Weiterführung des Tagebaus Schleenhain und zum Bau zweier neuer Blöcke im Braunkohlenkraftwerk Lippendorf zurückgenommen. Ein Kabinettsbeschluss der Sächsischen Staatsregierung im März 1994 legte die Umsiedlung der Gemeinde und den Aufbau eines "Neu-Heuersdorf" fest.

Natur und Vegetation
Das Heuersdorfer Ökosystem mit seinem das Dorf umschließenden Auenbereich, den Obstbäumen sowie alten Kopfweidenbeständen und die Dorfteichanlage gehört zum Fragment und Naturschutzgebiet des Bornaer Pleißenlandes, das durch Braunkohlentagebaue im 20. Jahrhundert fast vollständig verschwunden ist.

Kulturdenkmäler
In Heuersdorf gibt bzw. gab es mehr als 40 Gebäude und Gebäude-Ensembles mit Denkmalstatus. Dazu zählt die Taborkirche, die Großhermsdorfer Rittergutsanlage mit Herrenhaus aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und mehrere Drei-Seiten-Höfe mit Wohnhaus, Stall- und Nebengebäuden in Heuersdorf und Großhermsdorf, die überwiegend in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet wurden und in ihrem baulichen Urzustand größtenteils von der Landkultur des Bornaer Umlandes zeugten. Ebenfalls unter Denkmalschutz steht die Emmauskirche, die im Oktober 2007 nach Borna umgesetzt wurde. Am 23. November 2008 fand der letzte Gottesdienst in der Taborkiche statt, die Juni 2010 abgerissen wurde. Zuvor waren bereits die Gräber des angrenzenden Friedhofs umgebettet worden.

Braunkohlenbergbau
1949 bis 1990
Aufgrund der unter der Dorflage befindlichen Braunkohle wurde die Abbaggerung des Ortes im Verlauf des Aufschlusses des "Tagebaues Schleenhain" festgesetzt. Bereits mit der Vorplanung und Erschließung des Tagebaues Schleenhain 1949 wurde Heuersdorf unter Bergbauschutz gestellt. Dieser Großtagebau wurde 1949 mit einer Laufzeit von 70 Jahren konzipiert. Seitdem musste langfristig gesehen mit einer möglichen Abbaggerung von Heuersdorf gerechnet werden, was auch dazu führte, dass Erhaltungsmaßnahmen an der Bausubstanz und Infrastruktur von staatlicher Seite nur nach dem Minimalprinzip genehmigt wurden. Trotzdem wurden 1965 Häuser für ausgesiedelte Bewohner des Nachbardorfes Schleenhain in Heuersdorf errichtet. Bereits 1972 wurde der Gemeinderat wieder verstärkt auf das Bergbauschutzgesetz verwiesen, denn nach vorübergehender in Aussicht gestellter Abkehr von diesem langfristigen Vorhaben um 1965 im Rahmen erwarteter Erdöllieferungen aus der UdSSR zum Ausbau der Petrochemie der DDR, die auch eine Reduzierung der gesamten Braunkohlenförderung in der DDR vorsahen, war die Devastierung von Heuersdorf bis zur Auflösung der DDR fest eingeplant.

Die "Chronik von Schleenhain" aus dem Jahr 1967 beschreibt indirekt die zu devastierenden Dörfer im Abbaufeld des Tagebaues Schleenhain: "Auf seiner Oberfläche sind außer den drei Ortschaften Schleenhain, Breunsdorf und Heuersdorf keine größeren natürlichen oder künstlichen Hindernisse vorhanden." Der Ort Droßdorf, der ebenfalls in die Abbaubilanz des Tagebaues Schleenhain im Jahr 1981 einbezogen wurde, jedoch aufgrund seiner Randlage an der Bundesstraße 176 vorerst nicht für eine Tagebauinanspruchnahme vorgesehen war, gehört auch zu den devastierten Orten des Tagebaues Schleenhain.
Nach 1990
Mit dem teilweisen Niedergang der ostdeutschen Braunkohlenwirtschaft 1990/91 hofften die Bewohner Heuersdorfs, dass der Ort durch den massiven Bedeutungsverlust der Braunkohle in der Kohlechemie und aufgrund der Schließung zahlreicher Tagebaue im Bergbaurevier Südraum Leipzig erhalten bleibt. Mit der Entscheidung für den Bau eines neuen Braunkohlenkraftwerkes am Standort Lippendorf wurde 1994 ein Braunkohlenplan für Westsachsen von der Staatsregierung des Freistaates Sachsen erarbeitet, der die Versorgung des Kraftwerkes mit heimischer Braunkohle aus der Umgebung für 40 Jahre vorsieht. Die Gemarkung von Heuersdorf wurde darin als Abbaugebiet im Teilfeld Schleenhain des aus drei Teilfeldern (Peres, Groitzscher Dreieck und Schleenhain) bestehenden Tagebaues Vereinigtes Schleenhain festgeschrieben.

Nach einer zehn Jahre anhaltenden Auseinandersetzung um den Erhalt der Gemeinde Heuersdorf mit der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft wurde die Gemeinde am 1. Oktober 2004 kommunalrechtlich in die Stadt Regis-Breitingen eingemeindet. Am 25. November 2005 verlor die Gemeinde vor dem Sächsischen Verfassungsgerichtshof das Gerichtsverfahren, das sie gegen das sogenannte "Heuersdorf-Gesetz", welches die Abbaggerung regelt, angestrengt hatte. Das Gericht urteilte darüber, ob das vom Sächsischen Landtag beschlossene "Heuersdorf-Gesetz" verfassungskonform ist, und bestätigte dies. Bei der Urteilsverkündung betonte der Vorsitzende Richter, es habe nicht gewertet, "ob hier politische Vernunft waltete".

Die Braunkohlevorräte unter dem Dorf werden auf 52 Millionen Tonnen geschätzt, welche einer Laufzeit des Kraftwerks Lippendorf von etwas mehr als vier Jahren entsprechen. Im Mai 2006 begann der Abriss des Dorfes. Im Herbst 2007 wurde die Emmauskirche in die angrenzende Stadt Borna transportiert. Die letzten Bewohner zogen 2009 aus Heuersdorf aus, bis 2010 wurde das Dorf vollständig abgetragen.

Quelle: Wikipedia

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